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Kleidungsstücke

Schnittmuster Sakko Herren: Anzug, Smoking und Frack selber nähen

1. November 20268 Min. Lesezeit

Ein Schnittmuster Sakko Herren ist der Schritt, an dem sich zeigt, ob man Kleidung näht oder schneidert. Ein gutes Sakko besteht aus Dutzenden Teilen, aus Oberstoff, Einlagen, Futter und Taschenbeuteln, und seine Form entsteht nicht nur durch den Schnitt, sondern durch Bügeln, Formen und Handarbeit. Wer einen Anzug selber nähen möchte, sollte wissen, worauf er sich einlässt, und gleichzeitig: Es ist machbar.

Dieser Beitrag erklärt die Verarbeitungsarten von der Rosshaar-Einlage bis zur fixierten Einlage, die Reversformen und ihre Wirkung, die wichtigsten Passpunkte bei Schulter und Brust, die Besonderheiten von Smoking und Frack und eine realistische Einschätzung des Aufwands. Alle Angaben zu Größen sind Richtwerte, die je nach Hersteller schwanken.

Aufbau eines Herrensakkos

Ein klassisches Herrensakko besteht aus Vorderteil, Seitenteil und Rücken mit Rückennaht, dazu Zweinahtärmel aus Ober- und Unterärmel, Oberkragen, Unterkragen und Beleg. Das Vorderteil bekommt einen Brustabnäher, der unter der Pattentasche ausläuft, und oft einen Bauchabnäher. Taschen sind in der Regel eine Brustleiste links, zwei Pattentaschen oder Paspeltaschen, manchmal eine kleine Ticket-Tasche rechts darüber, und mehrere Innentaschen im Futter.

Im Rücken gibt es einen Mittelschlitz, zwei Seitenschlitze oder keinen Schlitz. Seitenschlitze gelten als britisch und bequem, der Mittelschlitz als klassisch und sportlich, ohne Schlitz wirkt das Sakko besonders formell und ist beim Smoking üblich.

Die Ärmel haben einen Ärmelschlitz mit drei oder vier Knöpfen. Bei Maßanfertigungen sind die Knopflöcher offen, damit man den Ärmel aufknöpfen kann. Bei Konfektion sind sie nur angedeutet, weil sich die Ärmel so leichter kürzen lassen.

Rosshaar-Einlage, halbverarbeitet oder fixiert

Die Einlage ist das Herzstück eines Sakkos. Sie entscheidet, wie das Sakko die Form hält, wie es über die Brust fällt und wie es altert. Es gibt drei grundlegende Verarbeitungsarten.

Bei der Vollverarbeitung wird eine Einlage aus Rosshaar und Wolle, die sogenannte Rosshaar-Einlage, über das gesamte Vorderteil gelegt und mit einer Brustplatte und einer Schulterverstärkung ergänzt. Sie wird nicht verklebt, sondern von Hand mit dem Oberstoff verbunden. Das Revers wird pikiert: Hunderte kleiner Pikierstiche verbinden Einlage und Oberstoff und formen das Revers so, dass es sich von selbst zum Körper rollt. Diese Verarbeitung ist aufwendig, ergibt aber ein Sakko, das sich mit der Zeit an den Körper anpasst.

Bei der Halbverarbeitung reicht die Rosshaar-Einlage nur über Brust und Revers, der untere Teil des Vorderteils wird fixiert, also mit einer aufbügelbaren Einlage versehen. Das ist ein guter Kompromiss für die Hobbyschneiderei. Bei der vollständig fixierten Verarbeitung wird das gesamte Vorderteil mit Bügeleinlage verstärkt, wie bei den meisten Konfektionssakkos. Das geht am schnellsten, das Revers wirkt jedoch flacher, und bei minderwertiger Einlage können sich nach Reinigungen Blasen bilden.

Profi-Tipp

Für das erste Sakko ist die Halbverarbeitung eine sehr gute Wahl: Sie lernen das Pikieren des Reverses an einem überschaubaren Bereich, ohne gleich ein vollständig handverarbeitetes Vorderteil zu riskieren.

Reversformen: fallendes, steigendes Revers und Schalkragen

Das Revers prägt den Charakter eines Sakkos. Das fallende Revers, auch Stufenrevers genannt, hat einen Einschnitt zwischen Kragen und Revers, der nach unten zeigt. Es ist der Standard bei Business-Anzügen und Sakkos. Das steigende Revers hat Spitzen, die nach oben zur Schulter zeigen. Es wirkt formeller und kraftvoller und ist bei Zweireihern und festlichen Anzügen üblich. Der Schalkragen ist ein durchgehender Kragen ohne Einschnitt, typisch für den Smoking.

Die Naht, an der Kragen und Revers zusammentreffen, heißt Crochetnaht. Ihre Höhe und Neigung beeinflussen die Proportion des Sakkos: Eine hohe Crochetnaht streckt optisch, eine tiefe wirkt eher legere. Die Reversbreite folgt der Mode, sollte aber zur Schulterbreite und Statur passen. Ein schmales Revers an einem breiten Mann wirkt verloren, ein sehr breites an einem schmalen Mann überladen.

Beim Verarbeiten des Reverses ist entscheidend, dass die Umbruchkante mit einem leicht angezogenen Formband stabilisiert wird. So legt sich das Revers an die Brust und klafft nicht auf.

Schnittmuster Anzug Herren: Schulter, Brust und Anprobe

Ein Schnittmuster Anzug Herren steht und fällt mit der Schulter. Ist die Schulter zu breit, hängt der Ärmelansatz über das Schultergelenk und es bilden sich Dellen am Oberarm. Ist sie zu schmal, spannt der Ärmel und zieht Falten über den Rücken. Die Schulterbreite lässt sich nachträglich kaum ändern, deshalb muss sie im Schnitt stimmen.

Häufige Passformprobleme bei der Anprobe und ihre Ursachen:

  • Kragen steht im Nacken ab: Der Kragen ist zu lang, oder die Haltung ist nach vorne geneigt, sodass der Oberrücken mehr Länge braucht.
  • Querfalten unter dem Kragen im Rücken: Die obere Rückenlänge ist zu groß, typisch bei sehr aufrechter Haltung.
  • Diagonale Falten von der Schulter zur Achsel: Die Schulterneigung passt nicht, typisch bei hängenden Schultern.
  • Der Ärmel dreht nach vorne oder hinten: Der Ärmel ist falsch im Armloch platziert, die Ärmelbalance muss korrigiert werden.
  • Das Vorderteil klafft unten auf: Bauchzugabe fehlt oder die Brust ist zu schmal geschnitten.

Profi-Tipp

Die Herrengröße entspricht in Deutschland grob dem halben Brustumfang, Größe 50 also etwa 100 cm Brust. Bei Minerva geben Sie Ihre Körpermaße bei der Bestellung ein, und das Modell wird darauf gradiert. Das ersetzt die Anprobe nicht, aber es verlagert sie von der Grundkorrektur zur Feinarbeit.

Smoking Schnittmuster: Details für den Abend

Ein Smoking Schnittmuster unterscheidet sich vom Anzug vor allem in den Details. Das Sakko hat einen Schalkragen oder ein steigendes Revers, das mit Seidensatin oder Seidenrips belegt ist. Es ist meist einreihig mit einem Knopf, die Knöpfe sind mit demselben Seidenstoff bezogen. Die Taschen sind Paspeltaschen ohne Patten, damit die Silhouette ruhig bleibt.

Die Smokinghose hat an der Seitennaht einen Galonstreifen aus demselben Seidenstoff wie das Revers und keine Gürtelschlaufen. Getragen wird sie mit Hosenträgern und dazu Kummerbund oder Smokingweste. Der Stoff ist klassisch ein schwarzes oder mitternachtsblaues Kammgarn, für Sommeranlässe auch ein weißes oder cremefarbenes Dinnerjacket.

Beim Verarbeiten des Seidenbelags auf dem Revers ist Vorsicht geboten: Seidensatin zeigt jede Unebenheit und jeden Bügelabdruck. Er wird erst nach dem Formen des Reverses aufgesetzt und nur mit Bügeltuch und wenig Druck gebügelt.

Frack Schnittmuster: der formellste Abendanzug

Ein Frack Schnittmuster ist die Krönung der Herrenschneiderei. Der Frack ist vorne kurz und endet an der Taille, hinten fallen zwei Schöße bis etwa zur Kniekehle. Die Vorderteile schließen nicht, der Frack wird offen getragen, die Knöpfe auf der Vorderseite sind dekorativ. Das steigende Revers ist mit Seide belegt.

Zum Frack gehören eine Hose mit doppeltem Galonstreifen, eine weiße Frackweste aus Baumwollpiqué, die nicht unter dem Frack hervorschauen darf, ein Frackhemd mit steifer Brust und eine weiße Fliege. Die Weste muss so geschnitten sein, dass ihr Saum vollständig von den Vorderteilen des Fracks verdeckt wird.

Der Frack verlangt besondere Präzision an der Taillennaht, an der die Schöße angesetzt werden, und an der Balance zwischen Vorder- und Rückenlänge. Wer einen Frack nähen möchte, sollte bereits mehrere Sakkos genäht haben.

Anzug selber nähen: realistischer Aufwand

Einen Anzug selber nähen ist kein Wochenendprojekt. Ein halbverarbeitetes Sakko braucht auch erfahrenen Hobbyschneidern mehrere Dutzend Stunden, ein vollverarbeitetes mit handpikiertem Revers deutlich mehr. Die Hose ist vergleichsweise schnell gemacht, die Weste liegt dazwischen.

Was Sie brauchen: eine Nähmaschine mit sauberem Geradstich, ein gutes Dampfbügeleisen, ein Schneiderkissen, ein Ärmelbrett und ein Klopfholz, Handnähnadeln, Seidenfaden zum Heften und Pikieren. Eine Probe aus Nessel ist Pflicht, idealerweise mit eingesetztem Ärmel und Kragen.

Die Schnitte von Minerva richten sich an erfahrene Nähende und Schneider. Das Begleitheft enthält textliche Nähhinweise und den Stoffverbrauch, keine bebilderte Anleitung. Für das erste Sakko empfiehlt sich deshalb ein Fachbuch zur Herrenschneiderei als Begleitung. Wer DXF AAMA bestellt, kann den Schnitt außerdem in CAD- und 3D-Programmen wie CLO3D vorab virtuell anprobieren.

  1. 1.Stoff dekatieren, Probemodell aus Nessel nähen und anpassen.
  2. 2.Zuschnitt von Oberstoff, Einlagen und Futter.
  3. 3.Einlagen vorbereiten, Brustplatte formen, Revers pikieren.
  4. 4.Abnäher und Taschen einarbeiten, Rücken und Seitenteile schließen.
  5. 5.Kragen ansetzen, Beleg verstürzen, Ärmel einsetzen.
  6. 6.Futter einnähen, Knopflöcher, Handstiche, Schlussbügeln.

Häufige Fragen

Kann ich als Hobbyschneider einen Anzug nähen?

Ja, mit Erfahrung in Jacken und Hosen und viel Geduld. Für das erste Sakko empfiehlt sich eine halbverarbeitete Einlage und ein Probemodell aus Nessel.

Was ist der Unterschied zwischen Sakko und Anzug?

Ein Anzug besteht aus Sakko und Hose aus demselben Stoff, beim Dreiteiler kommt die Weste dazu. Ein Sakko wird dagegen einzeln getragen und mit einer Hose aus anderem Stoff kombiniert.

Was ist eine Rosshaar-Einlage?

Eine gewebte Einlage aus Rosshaar und Wolle oder Baumwolle, die von Hand mit dem Oberstoff verbunden wird. Sie gibt dem Sakko eine plastische, langlebige Form, besonders an Brust und Revers.

Wie viel Stoff brauche ich für einen Herrenanzug?

Bei 140 bis 150 cm Stoffbreite rechnet man für einen zweiteiligen Anzug grob mit 3 bis 3,5 m, für einen Dreiteiler mit Weste etwas mehr. Die genauen Werte für Ihre Maße stehen im Begleitheft.

Was unterscheidet Smoking und Frack?

Der Smoking ist ein Abendanzug mit seidenbelegtem Revers, der geschlossen getragen wird. Der Frack ist vorne kurz, hat hinten Schöße, wird offen getragen und gilt als formellste Abendkleidung.

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