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Nähtechnik

Abnäher nähen: sauber zur Spitze, ohne Beule und richtig gebügelt

2. November 20266 Min. Lesezeit

Abnäher nähen gehört zu den Grundtechniken, an denen man gute Schneiderarbeit sofort erkennt. Ein Abnäher verwandelt eine flache Stoffbahn in eine dreidimensionale Form, die sich um Brust, Taille, Schulterblatt oder Gesäß legt. Ist er sauber genäht, sieht man nur eine feine Linie, die weich in den Stoff ausläuft. Ist er schlecht genäht, steht an der Spitze eine kleine Beule ab, die sich durch kein Bügeleisen der Welt mehr beseitigen lässt.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wozu Abnäher konstruktiv dienen, wie Sie sie präzise übertragen und nähen, warum die letzten zwei Zentimeter entscheidend sind und wie Sie Brust-, Taillen-, Rücken- und Hosenabnäher richtig bügeln. Außerdem geht es darum, wie man Abnäher verlegt und wie Sie einen Abnäher nachträglich in ein Kleid einarbeiten, das zu weit sitzt.

Wozu Abnäher dienen: ein kurzer Blick in die Konstruktion

Der Körper ist nicht zylindrisch. Zwischen Brustpunkt und Unterbrust, zwischen Hüfte und Taille, zwischen Schulterblatt und Schulternaht ändern sich die Umfänge auf kurzer Strecke deutlich. Ein Abnäher nimmt genau diese Differenz als keilförmiges Stück aus dem Stoff heraus. Seine Breite an der Basis entspricht der Mehrweite, die an dieser Stelle zu viel wäre, seine Spitze zeigt auf die stärkste Wölbung.

Daraus folgt eine wichtige Regel: Die Spitze eines Brustabnähers endet nicht am Brustpunkt, sondern etwa 2 bis 3 cm davor, bei großer Oberweite eher 3 bis 4 cm. Endet er direkt auf dem Brustpunkt, wirkt die Form spitz und unnatürlich. Taillenabnäher im Rock enden meist 2 bis 4 cm oberhalb der stärksten Hüftstelle, Rückenabnäher am Oberteil kurz unterhalb des Schulterblatts.

  • Brustabnäher: aus Seitennaht, Schulter, Armloch oder Taille, Spitze in Richtung Brustpunkt.
  • Taillenabnäher: am Oberteil zweispitzig (Fischabnäher), am Rock einseitig von der Taille nach unten.
  • Schulter- und Nackenabnäher: formen den Rücken über dem Schulterblatt.
  • Ellbogenabnäher: im einteiligen Ärmel für Bewegungsfreiheit.
  • Hosenabnäher: im Hinterteil für das Gesäß, im Vorderteil oft durch Bundfalten ersetzt.

Abnäher markieren und übertragen

Präzision beginnt beim Übertragen. Markieren Sie die beiden Schenkel an der Schnittkante mit kleinen Knipsen von etwa 3 mm, die Spitze mit einem Kreidepunkt oder einem Heftstich. Liegt der Abnäher mitten im Teil, wie ein Fischabnäher, markieren Sie Spitzen und breiteste Stelle mit Kopierrad und Kopierpapier oder mit Schneiderheftstichen.

Bei empfindlichen Stoffen wie Seide oder hellem Leinen ist Kreide riskant. Hier sind Schneiderheftstiche, also lose Schlingenstiche durch beide Lagen, die sauberste Methode. Bei Wollstoffen funktioniert Schneiderkreide sehr gut, bei Jersey ein wasserlöslicher Markierstift.

Ziehen Sie anschließend mit Lineal und Kreide die Nahtlinie von der Knipsmarke bis zur Spitze auf die linke Stoffseite. Wer nach Augenmaß näht, produziert leicht eine leicht gebogene Linie, und schon sitzt die Spitze an der falschen Stelle.

Abnäher nähen ohne Beule: die Technik an der Spitze

Die gefürchtete Beule entsteht fast immer an der Spitze. Entweder endet die Naht zu abrupt, oder sie läuft in einem Winkel aus, statt tangential am Stoffbruch zu enden. Wer einen Abnäher ohne Beule nähen will, achtet deshalb auf die letzten 2 bis 3 cm.

Legen Sie den Abnäher rechts auf rechts, sodass die Schenkel genau aufeinanderliegen, und stecken Sie quer zur Nahtlinie. Beginnen Sie an der breiten Basis mit zwei, drei Riegelstichen und nähen Sie auf der markierten Linie in Richtung Spitze.

  1. 1.Etwa 2 cm vor der Spitze die Stichlänge auf 1,5 bis 2 mm verkürzen.
  2. 2.Die Naht so führen, dass die letzten 3 bis 4 Stiche direkt an der Stoffbruchkante entlang laufen, praktisch mit null Abstand.
  3. 3.Über die Spitze hinaus noch 1 bis 2 Stiche ins Leere nähen, nicht zurücknähen.
  4. 4.Die Fadenenden etwa 8 cm lang lassen und von Hand zweimal verknoten.
  5. 5.Fäden auf 1 cm kürzen; bei glatten Stoffen den Knoten zusätzlich mit einem Tropfen Nahtsicherung fixieren.

Profi-Tipp

Kleben Sie ein Stück Kreppband als Führungslinie von der Basis bis zur Spitze auf das Stichplattenfeld vor dem Nähfuß. So bleibt die Naht gerade, und Sie sehen genau, wo der Abnäher enden muss.

Abnäher nähen an der Brust: Richtung, Bügeln und Form

Beim Abnäher an der Brust entscheidet das Bügeln über die Wirkung. Waagerechte Brustabnäher aus der Seitennaht bügeln Sie nach unten, senkrechte Taillen- und Schulterabnäher zur vorderen beziehungsweise hinteren Mitte. So liegt die Stoffzugabe dort, wo sie optisch am wenigsten aufträgt.

Bügeln Sie den Abnäher zuerst flach so, wie er genäht wurde, um die Stiche einzubügeln. Dann legen Sie das Teil über ein Bügelkissen, den sogenannten Schneiderschinken, und bügeln die Zugabe zur Seite, wobei die Wölbung des Kissens der Körperform folgt. Die Spitze bügeln Sie nie flach, sondern formen sie über die Rundung aus, damit sie weich in den Stoff ausläuft.

Bei dicken Wollstoffen schneiden Sie breite Abnäher bis etwa 1 cm vor der Spitze mittig auf und bügeln sie auseinander. Das verringert Auftrag und verhindert einen sichtbaren Wulst auf der rechten Seite. Bei Transparenz oder sehr leichten Stoffen kann man Abnäher auch mit einem Unterfaden-Trick ohne Knoten nähen, indem man den Oberfaden durch den Unterfaden führt.

Abnäher an der Hose und am Rock

Ein Abnäher an der Hose sitzt meist im Hinterteil, ein oder zwei pro Seite, 9 bis 14 cm lang, je nach Gesäßform. Im Vorderteil der Damenhose findet man oft einen kurzen Abnäher von 7 bis 9 cm oder stattdessen eine Bundfalte. Rockabnäher sind ähnlich aufgebaut: hinten länger und tiefer, vorne kürzer und flacher, weil die Hüftwölbung vorn weniger ausgeprägt ist.

Typischer Fehler bei Hosen: Die Abnäher enden zu tief und erzeugen kleine Spitzen genau auf der Gesäßwölbung. Halten Sie im Probemodell nach, ob die Spitze etwa 3 bis 4 cm oberhalb der stärksten Stelle endet. Bei flachem Gesäß werden Abnäher eher kürzer und schmaler, bei ausgeprägtem Gesäß tiefer, gelegentlich auf zwei Abnäher verteilt.

Gebügelt werden Hosen- und Rockabnäher zur hinteren beziehungsweise vorderen Mitte, wiederum über dem Schinken. Danach wird der Bund angesetzt, und die Abnäherbasis muss exakt auf der Taillenlinie liegen.

Abnäher verlegen: dieselbe Form an anderer Stelle

Ein Brustabnäher lässt sich auf dem Schnitt beliebig um den Brustpunkt drehen, ohne dass sich die Passform ändert. Man nennt das Abnäher verlegen. Aus einem Seitennahtabnäher wird so ein Schulterabnäher, ein Armlochabnäher, eine Teilungsnaht wie die Prinzessnaht oder eine Kräuselung unter einer Passe.

Die klassische Methode: Schneiden Sie den neuen Abnäher auf dem Papierschnitt vom Rand bis zum Brustpunkt ein, schließen Sie den alten Abnäher durch Zusammenkleben, und der neue öffnet sich automatisch um denselben Winkel. Anschließend kürzen Sie die neue Spitze wieder um 2 bis 3 cm vom Brustpunkt.

Wer sich mit Schnittkonstruktion beschäftigt, kennt diese Technik als Grundlage fast aller Oberteilmodelle. Bei einem Schnitt aus dem Katalog von Minerva Patterns ist die Abnäherlage bereits auf das Modell und Ihre Maße gerechnet; verlegen müssen Sie nur, wenn Sie das Design ändern möchten.

Abnäher nachträglich nähen: Kleid enger machen

Ein Kleid sitzt in der Taille oder unter der Brust zu weit? Einen Abnäher nachträglich in ein Kleid zu nähen ist oft einfacher, als die Seitennähte aufzutrennen. Ziehen Sie das Kleid links herum an und stecken Sie die überschüssige Weite symmetrisch auf beiden Seiten ab, idealerweise mit Hilfe einer zweiten Person.

Markieren Sie Breite und Spitzen mit Kreide, ziehen Sie das Kleid aus und gleichen Sie links und rechts ab, indem Sie beide Seiten aufeinanderlegen. Bei gefütterten Kleidern muss das Futter entsprechend mit angepasst werden, sonst zieht es. Prüfen Sie außerdem, ob ein vorhandener Reißverschluss die Änderung erlaubt.

  • Taillenabnäher im Rücken: bis etwa 2 cm Weite pro Abnäher meist unsichtbar.
  • Bei bedruckten Stoffen auf Musterverlauf achten, sonst bricht das Motiv sichtbar.
  • Bei Seide und Satin vorher an einer verdeckten Stelle prüfen, ob alte Stichlöcher sichtbar bleiben.

Profi-Tipp

Nähen Sie einen nachträglichen Abnäher zuerst mit langen Heftstichen und probieren Sie an. Erst wenn der Sitz stimmt, nähen Sie mit normaler Stichlänge nach.

Häufige Fragen

Warum bekommt mein Abnäher an der Spitze eine Beule?

Meist endet die Naht zu abrupt oder in einem Winkel statt tangential an der Stoffbruchkante. Lassen Sie die letzten Stiche praktisch auf der Bruchkante auslaufen, verkürzen Sie die Stichlänge und verknoten Sie von Hand, statt zurückzunähen. Bügeln Sie die Spitze über einem Schneiderschinken.

In welche Richtung bügelt man Abnäher?

Waagerechte Brustabnäher nach unten, senkrechte Taillen-, Schulter- und Hosenabnäher zur Mitte. Bei dicken Stoffen werden breite Abnäher aufgeschnitten und auseinandergebügelt.

Wie weit vor dem Brustpunkt endet ein Brustabnäher?

In der Regel 2 bis 3 cm, bei größerer Oberweite 3 bis 4 cm. Endet der Abnäher genau am Brustpunkt, entsteht eine spitze, unnatürliche Form.

Soll man Abnäher zurücknähen oder verknoten?

An der breiten Basis wird kurz zurückgenäht, weil die Stelle später von einer Naht gefasst wird. An der Spitze verknoten Sie die Fäden von Hand, denn Rückstiche verdicken die Spitze und führen zu einer Beule.

Kann man Abnäher in Jersey nähen?

Ja, aber viele Jerseyschnitte kommen ohne Abnäher aus, weil der Stoff sich der Form anpasst. Wenn ein Abnäher vorgesehen ist, nähen Sie ihn mit einem schmalen Zickzackstich oder Stretchstich und bügeln ohne Dampfdruck, damit sich nichts verzieht.

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