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Nähtechnik

Futter nähen: Jacke und Mantel füttern mit Bewegungsfalte und Saumzugabe

2. November 20266 Min. Lesezeit

Futter nähen ist der Schritt, der aus einer Jacke ein fertiges Kleidungsstück macht. Ein Futter lässt die Jacke beim An- und Ausziehen über die Kleidung gleiten, verdeckt alle Nahtzugaben, schützt den Oberstoff vor Abrieb und gibt einem Mantel zusätzliche Wärme. Damit es aber nicht zieht, beim Bewegen nicht reißt und am Saum nicht hervorblitzt, braucht es mehr als eine Kopie des Oberstoffschnitts.

Dieser Beitrag erklärt, welche Futterstoffe sich für Jacke und Mantel eignen, wie das Futter zugeschnitten wird, wozu die Bewegungsfalte in der hinteren Mitte und der Saumsprung dienen und wie Sie eine Jacke maschinell füttern, indem Sie sie durch eine offene Futternaht wenden. Außerdem geht es um Ärmelfutter, Einschubfutter und typische Fehler.

Futterstoffe für Jacke und Mantel

Ein guter Futterstoff ist glatt, atmungsaktiv, farbecht und deutlich leichter als der Oberstoff. Er soll sich nicht elektrisch aufladen und darf beim Tragen nicht knistern. Für hochwertige Jacken und Mäntel hat sich Viskose- oder Cupro-Futter durchgesetzt, weil es angenehm auf der Haut liegt und Feuchtigkeit aufnimmt. Polyesterfutter ist günstiger und robuster, aber weniger atmungsaktiv.

Für Wintermäntel kommen gesteppte Futter oder warm hinterlegte Varianten infrage, für Trenchcoats auch Baumwollsatin oder karierte Futter. Ärmel füttert man gern mit einem besonders glatten Stoff, oft gestreift, weil der Arm hier am meisten reibt.

  • Viskose- oder Cupro-Futter (Bemberg): atmungsaktiv, glatt, ideal für Sakkos, Blazer und Mäntel.
  • Acetat-Futter: schöner Glanz, aber empfindlich gegen Reibung und Feuchtigkeit.
  • Polyesterfutter: strapazierfähig und günstig, wenig atmungsaktiv.
  • Futtertaft oder Satin: für Abendjacken und Brautmode.
  • Steppfutter und Thermofutter: für Wintermäntel und Parkas.

Profi-Tipp

Waschen oder dämpfen Sie Futterstoff vor dem Zuschnitt, wenn auch der Oberstoff vorbehandelt wird. Läuft das Futter später ein, zieht es den Saum hoch.

Futter zuschneiden: was anders ist als beim Oberstoff

Futter wird nicht einfach nach den Oberstoffteilen geschnitten. Im Vorderteil ersetzt der Beleg einen Teil der Fläche, deshalb entsteht das Vorderteilfutter aus dem Vorderteil abzüglich Belegbreite plus Nahtzugabe. Im Rückenteil kommt eine Bewegungsfalte hinzu, im Saum ein Sprung, und der Ärmel bekommt oben etwas mehr Höhe und Weite, damit er beim Armheben nicht zieht.

Schneiden Sie Futter im geraden Fadenlauf, aber mit Vorsicht: Glatte Futterstoffe rutschen. Legen Sie Seidenpapier oder ein Tischtuch darunter, stecken Sie in kurzen Abständen innerhalb der Nahtzugabe und schneiden Sie mit scharfer Schere oder Rollschneider.

Viele gute Schnittmuster enthalten eigene Futterteile. Fehlen sie, lassen sie sich aus den Oberstoffteilen ableiten, wie in den folgenden Abschnitten beschrieben.

Bewegungsfalte im Futter nähen

Die Bewegungsfalte ist eine Falte in der hinteren Mitte des Futters, meist 2 bis 3 cm tief, die beim Vorbeugen und Armstrecken Weite freigibt. Ohne sie reißt das Futter mit der Zeit an der Rückennaht oder zieht den Oberstoff in Falten.

Zum Zuschneiden legen Sie das Rückenteil-Futter mit 2 bis 3 cm Zugabe über die hintere Mitte in den Stoffbruch. Wer eine Bewegungsfalte im Futter nähen möchte, legt diese Zugabe als Falte zur Seite, steppt sie oben am Halsausschnitt auf 4 bis 5 cm, in der Taille auf 2 bis 3 cm und am Saum auf einige Zentimeter fest. Dazwischen bleibt sie lose und öffnet sich bei Bewegung.

Bei Mänteln mit Gehschlitz wird das Futter im Schlitzbereich anders geschnitten: Auf der Untertritt-Seite wird das Futter ausgespart, auf der Übertritt-Seite schließt es an den Schlitzbeleg an. Hier hilft ein genauer Schnitt mit eigenem Futterteil.

Profi-Tipp

Heften Sie die Bewegungsfalte vor dem Einsetzen in ganzer Länge mit langen Stichen zu. So verzieht sie sich beim Nähen nicht; die Heftfäden entfernen Sie erst am fertigen Mantel.

Futter nähen am Mantel: Saumsprung und Länge

Beim Futter am Mantel ist die Länge entscheidend. Das Futter endet nicht am Saumbruch, sondern etwa 2 bis 3 cm darüber, und es wird so angenäht, dass sich am Saum eine Falte von etwa 1 bis 1,5 cm bildet, der sogenannte Saumsprung. Diese Mehrlänge gleicht aus, dass Futter und Oberstoff sich beim Tragen unterschiedlich dehnen, und verhindert, dass das Futter den Saum hochzieht.

Es gibt zwei Varianten. Beim angesetzten Futter wird das Futter mit dem Oberstoffsaum verbunden, mit Saumsprung; dies ist bei Sakkos und den meisten Jacken üblich. Beim freihängenden Futter, typisch für lange Mäntel, wird das Futter separat gesäumt, etwa 2 cm kürzer als der Mantel, und nur mit kleinen Fadenketten von 2 bis 3 cm Länge an den Seitennähten mit dem Oberstoff verbunden.

Für das Ärmelfutter gilt dasselbe Prinzip: Es wird am Ärmelsaum mit einem Sprung von etwa 1 cm angesetzt, damit es sich beim Beugen des Arms nicht spannt.

Jacke füttern: die Methode mit Wenden

Die meisten Jacken werden heute maschinell gefüttert, indem man Oberstoff und Futter komplett rechts auf rechts zusammennäht und die Jacke dann durch eine offen gelassene Naht wendet. In der Fachsprache spricht man vom Durchziehen oder Wenden. Das funktioniert schnell und ergibt saubere Kanten.

Wichtig ist die Reihenfolge. Oberstoffjacke und Futterjacke werden zunächst jeweils vollständig genäht, einschließlich Ärmel. Der Beleg wird an das Futter genäht, nicht an den Oberstoff.

  1. 1.Futter samt Beleg rechts auf rechts an die Jacke stecken: vordere Kanten, Revers, Kragen, hinterer Halsausschnitt.
  2. 2.Diese Kante in einem Zug nähen, Nahtzugaben gestuft zurückschneiden, Ecken abschrägen.
  3. 3.Saum: Oberstoffsaum hochbügeln, Futter mit Saumsprung rechts auf rechts an die Saumzugabe nähen.
  4. 4.Ärmelfutter am Ärmelsaum ebenso annähen; dazu den Ärmel durch die Öffnung herausziehen und Futter und Oberstoff rechts auf rechts verbinden, ohne sie zu verdrehen.
  5. 5.Die Jacke durch eine 15 bis 20 cm lange Öffnung in der Ärmelnaht des Futters wenden.
  6. 6.Öffnung knappkantig schließen, Kanten bügeln, Futter an den Schulternähten und unter dem Arm mit wenigen Handstichen fixieren.

Profi-Tipp

Verbinden Sie vor dem Wenden die Nahtzugaben von Oberstoff und Futter unter der Achsel mit ein paar losen Handstichen. So verdreht sich das Ärmelfutter beim Tragen nicht.

Ärmelfutter und Einschubfutter

Das Ärmelfutter wird aus dem Oberstoffärmel abgeleitet, aber in der Kugel 1 bis 1,5 cm höher und unter dem Arm etwas weiter geschnitten. Am Saum endet es entsprechend dem Saumsprung kürzer. Bei zweiteiligen Sakkoärmeln wird auch das Futter zweiteilig geschnitten, damit die Form des Ärmels erhalten bleibt.

Für leichte Sommerjacken oder ungefütterte Mäntel ist ein halbes Futter beliebt: Futter nur im Vorderteil und in der oberen Rückenpartie, die übrigen Nähte werden mit Paspel- oder Hongkongnähten sauber eingefasst. Das spart Gewicht und hält die Jacke luftig. Bei Wintermänteln kann ein Einschubfutter aus Steppstoff mit Reißverschluss oder Knöpfen zusätzlich eingesetzt werden.

Schnitt mit Futterteilen: Zeit sparen

Wer Futterteile selbst ableitet, sollte das am Papierschnitt tun und dabei alle Passzeichen übertragen, besonders an Armloch, Ärmelkugel und hinterer Mitte. Schneiden Sie bei der ersten Jacke eines Schnitts das Futter erst zu, wenn das Probemodell aus Oberstoff sitzt. Jede Änderung an Weite oder Länge muss sich im Futter wiederfinden.

Bei Mänteln und Jacken von Minerva Patterns zeigt die technische Beschreibung auf der Modellseite, welche Teile zum Schnitt gehören, und das Begleitheft nennt den Stoffverbrauch. So können Sie vor dem Einkauf prüfen, wie viel Futterstoff nötig ist, statt auf Verdacht einen Meter zu viel oder zu wenig zu kaufen.

Häufige Fragen

Wie tief muss die Bewegungsfalte im Futter sein?

Für Jacken und Sakkos genügt meist eine Falte von 2 cm, für Mäntel 2,5 bis 3 cm. Sie wird oben am Halsausschnitt, in der Taille und am Saum kurz festgesteppt und bleibt dazwischen offen.

Welcher Futterstoff ist für einen Mantel am besten?

Viskose- oder Cupro-Futter ist atmungsaktiv, glatt und angenehm zu tragen und deshalb die erste Wahl für Wollmäntel. Für Wintermäntel kann zusätzlich ein Thermo- oder Steppfutter verwendet werden.

Warum zieht das Futter meinen Mantelsaum hoch?

Meist fehlt der Saumsprung oder das Futter ist zu kurz beziehungsweise eingelaufen. Das Futter braucht am Saum eine Falte von etwa 1 bis 1,5 cm Mehrlänge. Bei langen Mänteln ist ein freihängendes Futter mit Fadenketten oft die bessere Lösung.

Wie wendet man eine gefütterte Jacke?

Lassen Sie in einer Ärmelnaht des Futters eine Öffnung von 15 bis 20 cm. Nachdem alle Kanten und Säume rechts auf rechts genäht sind, ziehen Sie die Jacke durch diese Öffnung auf rechts und schließen sie anschließend knappkantig.

Kann man eine Jacke nachträglich füttern?

Ja. Dafür werden Futterteile nach den Oberstoffteilen abgeleitet, mit Bewegungsfalte und Saumsprung. Das Futter wird dann an Beleg und Saum von Hand angesetzt. Das ist aufwendiger als ein von Anfang an eingeplantes Futter, aber gut machbar.

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