Richtig Maße nehmen ist die Grundlage für jedes gut sitzende Kleidungsstück, ob Sie eine Konfektionsgröße auswählen, einen Schnitt anpassen oder ein Schnittmuster nach Maß bestellen. Die meisten Passformprobleme beginnen nicht an der Nähmaschine, sondern mit einem Maßband, das schräg um den Körper lief, über dicke Kleidung gemessen wurde oder an der falschen Stelle saß.
In dieser Anleitung erfahren Sie, wie Sie die wichtigsten Körpermaße für Damen und Herren messen, welche zusätzlichen Maße für einen Anzug nötig sind, welche Fehler am häufigsten passieren und warum Messen mit Hilfe fast immer genauer ist als allein vor dem Spiegel.
Vorbereitung: Werkzeug und die richtige Haltung
Sie brauchen ein flexibles Maßband aus Glasfaser oder Kunststoff, das sich nicht dehnt. Alte Maßbänder aus Stoff können sich über die Jahre um mehrere Millimeter längen; prüfen Sie Ihres im Zweifel an einem Metallzollstock. Dazu ein schmales Gummiband oder Band für die Taille, einen Stift, einen Zettel und am besten eine zweite Person.
Gemessen wird in der Unterwäsche oder in sehr dünner, eng anliegender Kleidung. Stehen Sie aufrecht, aber entspannt, mit dem Gewicht gleichmäßig auf beiden Füßen und den Armen locker am Körper. Ziehen Sie den Bauch nicht ein und halten Sie nicht die Luft an. Ein Schnitt, der auf eingezogene Maße konstruiert ist, wird im Alltag unbequem.
- Unelastisches Maßband, im Zweifel nachgeprüft.
- Taillenband: schmales Gummiband oder Kordel.
- Spiegel, wenn Sie allein messen, besser noch eine Helferin oder ein Helfer.
- Notizzettel mit Datum, denn Maße ändern sich über die Zeit.
Maße nehmen Frau: die wichtigsten Körpermaße
Für Damenschnitte sind die drei Umfänge Brust, Taille und Hüfte zusammen mit der Körpergröße die wichtigsten Werte. Je nach Kleidungsstück kommen Längen- und Breitenmaße hinzu. Messen Sie Umfänge so, dass das Maßband anliegt, aber nicht einschneidet; zwei Finger sollten noch flach darunter passen.
- 1.Körpergröße: barfuß an der Wand, vom Scheitel bis zum Boden.
- 2.Brustumfang: waagerecht über die stärkste Stelle der Brust und hinten über die Schulterblätter.
- 3.Unterbrustumfang: direkt unter der Brust, eng anliegend; wichtig für die Körbchenberechnung.
- 4.Taillenumfang: an der schmalsten Stelle, dort wo das Taillenband von selbst liegen bleibt.
- 5.Hüftumfang: über die stärkste Stelle von Gesäß und Oberschenkeln, meist etwa 18 bis 22 cm unter der Taille.
- 6.Rückenlänge: vom hervorstehenden siebten Halswirbel bis zum Taillenband.
- 7.Schulterbreite: von Schulterpunkt zu Schulterpunkt über den Rücken, oder die einzelne Schulterlänge vom Halsansatz bis zum Schulterknochen.
- 8.Armlänge: vom Schulterpunkt über den leicht gebeugten Ellbogen bis zum Handgelenk.
- 9.Oberarmumfang: an der stärksten Stelle, locker gemessen.
Profi-Tipp
Lassen Sie das Taillenband während der ganzen Messung liegen. Es ist der Bezugspunkt für Rückenlänge, Hüfthöhe und Hosenmaße. So messen Sie alle Längen von derselben Linie aus, und die Werte passen zueinander.
Maße nehmen Mann: was bei Herrenschnitten zählt
Bei Herren unterscheiden sich die Bezugspunkte etwas. Der Brustumfang wird unter den Achseln über die stärkste Stelle der Brust und über die Schulterblätter gemessen, bei normaler Atmung. Statt einer ausgeprägten Taille ist oft der Bauchumfang das maßgebliche Maß, gemessen auf Höhe des Bauchnabels oder an der stärksten Stelle.
Für Hosen ist die Bundweite entscheidend, also der Umfang an der Stelle, an der die Hose getragen wird. Bei klassischen Anzughosen liegt der Bund höher als bei Jeans. Fragen Sie sich deshalb vor dem Messen, wo die Hose später sitzen soll.
- Brustumfang: unter den Achseln, über die stärkste Stelle, Arme hängen locker.
- Bauch- oder Taillenumfang: auf Nabelhöhe oder an der stärksten Stelle.
- Gesäßumfang: über die stärkste Stelle des Gesäßes.
- Halsumfang: am Halsansatz, wo der Hemdkragen sitzt, mit einem Finger Spiel.
- Armlänge: vom Schulterpunkt bis zum Handgelenksknochen bei leicht angewinkeltem Arm.
- Schrittlänge: von der Schrittnaht bis zum Boden, ohne Schuhe.
- Seitenlänge: von der Bundhöhe an der Seite bis zum Boden.
Maße nehmen für einen Anzug
Für einen Anzug, also Sakko und Hose, sind einige Maße besonders kritisch, weil ein Sakko an Schulter und Brust kaum nachträglich zu ändern ist. Die Schulterbreite messen Sie von Schulterknochen zu Schulterknochen über den Rücken, die Rückenbreite etwa 15 cm unter dem siebten Halswirbel zwischen den Achselfalten.
Die Ärmellänge eines Sakkos endet klassisch so, dass etwa 1 bis 1,5 cm Hemdmanschette sichtbar bleiben. Messen Sie deshalb vom Schulterpunkt bis zum Handgelenksknochen und ziehen Sie gedanklich nichts ab, die Zugaben sind Aufgabe des Schnitts. Die Sakkolänge orientiert sich traditionell an der Armlänge: Bei hängendem Arm reicht der Saum etwa bis in die gewölbte Handfläche.
Bei der Hose gehören Bundweite, Gesäßumfang, Seitenlänge und Schrittlänge zusammen. Messen Sie zur Kontrolle auch an einer gut sitzenden vorhandenen Hose nach: Innenbeinlänge flach gelegt von der Schrittnaht bis zum Saum.
Profi-Tipp
Messen Sie für ein Sakko im Hemd, das Sie später darunter tragen, aber ohne Pullover. Ein dickes Oberhemd mit Krawattenknoten kann den Halsumfang um einen Zentimeter verändern.
Körpermaße messen zum Nähen: die häufigsten Fehler
Wer zum ersten Mal Körpermaße für das Nähen misst, macht fast immer dieselben Fehler. Die meisten führen zu Werten, die zu klein sind, und damit zu Kleidungsstücken, die spannen.
- Maßband hinten zu tief oder zu hoch: Umfänge vor dem Spiegel von der Seite kontrollieren.
- Zu straff gemessen: Das Maßband schnürt ein, das Ergebnis ist 2 bis 4 cm zu klein.
- Über Kleidung gemessen: Jeans oder Pullover addieren schnell mehrere Zentimeter.
- Hüfte zu hoch gemessen: Die stärkste Stelle liegt bei vielen Figuren tiefer als erwartet.
- Bauch eingezogen oder Luft angehalten: Der Schnitt wird für eine Haltung konstruiert, die Sie im Alltag nicht einnehmen.
- Zugaben selbst addiert: Bewegungszugaben sind Sache des Schnitts. Tragen Sie reine Körpermaße ein.
Kontrolle an vorhandener Kleidung
Körpermaße sind die Grundlage, aber ein Vergleich mit Kleidung, die Ihnen gut passt, ist eine wertvolle Kontrolle. Legen Sie ein Lieblingsoberteil oder eine gut sitzende Hose flach auf den Tisch und messen Sie Brustweite, Länge, Schulterbreite, Ärmellänge oder Innenbeinlänge. Diese Werte sind Kleidungsmaße, also Körpermaß plus Bewegungszugabe, und dürfen daher nicht in ein Maßformular eingetragen werden.
Wozu dann das Ganze? Sie sehen, wie viel Weite Sie persönlich als angenehm empfinden. Misst Ihr bequemstes Sakko an der Brust 12 cm mehr als Ihr Körper, wissen Sie, dass Ihnen ein sehr figurnaher Schnitt mit nur 6 cm Zugabe vermutlich zu eng vorkommt. Bei Hosen hilft die Innenbeinlänge einer vorhandenen Hose, die gewünschte Länge für die Schuhe zu prüfen, die Sie dazu tragen.
Vergleichen Sie dazu die Fertigmaße, die viele Schnitte angeben, mit Ihrem Kleidungsstück. Liegen beide nah beieinander, wird das neue Teil ähnlich sitzen.
Allein messen oder mit Hilfe?
Umfänge wie Taille und Hüfte lassen sich allein ganz gut messen, wenn Sie vor einem großen Spiegel stehen und den Verlauf des Maßbands kontrollieren. Schwierig wird es bei Rückenlänge, Schulterbreite, Rückenbreite und Armlänge: Sobald Sie den Arm heben oder den Kopf drehen, verändert sich das Maß.
Mit einer zweiten Person werden die Maße deutlich genauer. Die Helferin muss keine Schneiderin sein; erklären Sie kurz, wo gemessen wird, und lassen Sie jedes Maß zweimal nehmen. Weichen beide Werte um mehr als einen halben Zentimeter voneinander ab, wird ein drittes Mal gemessen.
Maße eintragen: vom Zettel zum Schnittmuster
Bevor Sie Ihre Maße verwenden, vergleichen Sie sie mit einer Größentabelle. Liegen Brust, Taille und Hüfte alle im Bereich von zwei benachbarten Größen, sind sie vermutlich plausibel. Springt ein Wert drei Größen weg, messen Sie lieber nach, denn ein Tippfehler oder eine falsch abgelesene Zahl ist wahrscheinlicher als eine extreme Figur.
Wenn Sie ein Schnittmuster nach Maß bei Minerva bestellen, wird der Schnitt genau aus den eingegebenen Werten konstruiert. Das ist der Vorteil gegenüber Konfektionsgrößen, verlangt aber Sorgfalt: Der Schnitt kann nur so gut sein wie Ihre Maße. Notieren Sie zu jedem Maß das Datum und messen Sie nach einigen Monaten oder nach einer Gewichtsveränderung neu.
Häufige Fragen
Wo misst man den Hüftumfang?
An der stärksten Stelle von Gesäß und Oberschenkeln, waagerecht um den Körper. Bei den meisten Figuren liegt sie etwa 18 bis 22 cm unter der Taille, bei manchen tiefer.
Wie misst man die Rückenlänge?
Vom siebten Halswirbel, dem Knochen, der beim Neigen des Kopfes hervortritt, gerade nach unten bis zum Taillenband. Am genauesten gelingt das mit einer zweiten Person.
Soll ich beim Maßnehmen etwas zugeben?
Nein. Tragen Sie reine Körpermaße ein. Die Bewegungszugaben sind im Schnitt bereits für das jeweilige Modell berechnet.
Welche Maße brauche ich für einen Herrenanzug?
Brustumfang, Bauch- oder Taillenumfang, Gesäßumfang, Halsumfang, Schulterbreite, Armlänge, Körpergröße sowie für die Hose Bundweite, Seitenlänge und Schrittlänge.
Kann ich mich allein richtig vermessen?
Umfänge gelingen vor dem Spiegel gut. Rückenlänge, Schulter- und Rückenbreite sowie Armlänge sind allein kaum genau zu messen. Hier lohnt sich eine Helferin oder ein Helfer.
Wie oft sollte ich meine Maße neu nehmen?
Vor jedem größeren Projekt, mindestens aber alle paar Monate und nach jeder spürbaren Gewichtsveränderung. Schon 2 cm Unterschied an Brust oder Hüfte entscheiden bei figurnahen Schnitten darüber, ob ein Teil bequem sitzt oder spannt.
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