Den Stoffverbrauch berechnen zu können, spart Geld und Nerven. Kaufen Sie zu wenig, ist der Stoff im Laden oft ausverkauft, und eine Nachlieferung hat womöglich eine andere Färbepartie. Kaufen Sie zu viel, stapeln sich Reste. Die gute Nachricht: Mit einer einfachen Methode und ein paar Richtwerten lässt sich der Stoffbedarf für fast jedes Kleidungsstück verlässlich abschätzen.
In diesem Beitrag lernen Sie, wie Sie den Verbrauch über das Auslegen der Schnittteile ermitteln, welche Rolle die Stoffbreite von 140 oder 150 cm spielt, welche Zuschläge für Florstoffe, Karos und Einlaufen nötig sind, und Sie finden eine Tabelle mit Richtwerten für Damen- und Herrenbekleidung.
Die Grundlagen: Stoffbreite, Fadenlauf und Bruch
Stoff wird in Deutschland in laufenden Metern verkauft, die Breite ist durch die Webmaschine vorgegeben. Bekleidungsstoffe liegen meist bei 140 bis 150 cm, Baumwollstoffe für Patchwork und manche Batiste bei 110 bis 115 cm, Jersey oft bei 150 bis 160 cm, manche Wollstoffe bei 150 cm. Je schmaler der Stoff, desto mehr Länge brauchen Sie.
Schnittteile werden in der Regel im Fadenlauf zugeschnitten, also parallel zur Webkante. Viele Teile liegen im Stoffbruch: Der Stoff wird längs gefaltet, sodass nur noch die halbe Breite zur Verfügung steht, bei 140 cm also 70 cm. Ein Vorderteil mit 30 cm Breite passt mit dem Rückenteil nebeneinander in den Bruch, ein Vorderteil mit 40 cm nicht mehr, dann wird es eine zusätzliche Länge.
Stoffverbrauch berechnen mit den Schnittteilen
Die genaueste Methode ist das Probeauslegen. Dafür brauchen Sie die fertigen Schnittteile und eine Fläche, die so breit ist wie Ihr Stoff, etwa einen Tisch oder Boden, auf dem Sie mit Kreppband die Stoffbreite markieren.
- 1.Markieren Sie zwei Linien im Abstand der Stoffbreite, für Teile im Bruch die halbe Breite.
- 2.Legen Sie alle Schnittteile im Fadenlauf hinein, große Teile zuerst, kleine in die Lücken.
- 3.Achten Sie darauf, welche Teile doppelt oder gegengleich gebraucht werden.
- 4.Messen Sie die Gesamtlänge vom ersten bis zum letzten Teil.
- 5.Addieren Sie Nahtzugaben, falls der Schnitt ohne gedruckt ist, und einen Sicherheitszuschlag von 10 bis 20 cm.
Profi-Tipp
Wenn Sie keine passende Fläche haben, zeichnen Sie die Stoffbreite maßstäblich auf kariertes Papier, zum Beispiel 1 Kästchen gleich 5 cm, und skizzieren die Schnittteile als Rechtecke mit ihren größten Maßen. Für eine Einkaufsliste ist das genau genug.
Faustformeln für den schnellen Überblick
Wenn der Schnitt noch nicht vorliegt, helfen Faustformeln auf Basis der gewünschten Längen. Sie gelten für eine Stoffbreite von 140 bis 150 cm und mittlere Größen. Ab Größe 46 oder bei sehr weiten Schnitten sollten Sie großzügiger rechnen.
- Gerader Rock: einmal Rocklänge plus etwa 15 cm für Bund und Saum.
- Ärmelloses Kleid: einmal Kleidlänge plus etwa 20 cm.
- Kleid mit Ärmeln: Kleidlänge plus Ärmellänge plus etwa 20 cm.
- Bluse mit langen Ärmeln: zweimal Blusenlänge oder Blusenlänge plus Ärmellänge plus etwa 25 cm.
- Hose: einmal Hosenlänge plus 20 bis 30 cm, bei großen Größen oder weiten Beinen zweimal Hosenlänge.
- Jacke oder Blazer: Jackenlänge plus Ärmellänge plus etwa 30 cm für Kragen, Belege und Taschen.
Stoffverbrauch Tabelle: Richtwerte für Damen und Herren
Die folgende Stoffverbrauch-Tabelle gibt Richtwerte für Stoffbreiten von 140 bis 150 cm und Größen um 38 bis 42 bei Damen beziehungsweise 48 bis 52 bei Herren. Ohne Muster und ohne Flor; Zuschläge dafür finden Sie weiter unten. Der genaue Verbrauch hängt immer vom Modell ab.
- Gerader Rock, knielang: 0,7 bis 0,9 m.
- A-Linien-Rock, knielang: 1,0 bis 1,3 m.
- Glockenrock oder Tellerrock: 2,0 bis 3,0 m, je nach Länge und Weite.
- Bluse mit langen Ärmeln: 1,5 bis 1,8 m.
- Kleid, knielang, kurze Ärmel: 1,8 bis 2,3 m.
- Maxikleid: 2,8 bis 3,5 m.
- Damenhose, lang: 1,2 bis 1,6 m.
- Blazer oder Jacke: 1,6 bis 2,0 m, dazu Futter 1,3 bis 1,6 m.
- Mantel, knielang: 2,5 bis 3,2 m, dazu Futter 2,0 bis 2,5 m.
- Herrenhemd: 1,8 bis 2,2 m.
- Herrenhose: 1,3 bis 1,6 m.
- Herrensakko: 1,7 bis 2,0 m, dazu Futter 1,5 bis 1,8 m.
- Herrenanzug, Sakko und Hose: 3,0 bis 3,5 m.
- Herrenweste: 0,7 bis 0,9 m Oberstoff, Rücken und Innenseite aus Futter.
Stoffverbrauch Hose Damen: warum die Hüfte entscheidet
Bei Hosen hängt der Verbrauch weniger von der Länge ab als von der Hüftweite und der Beinform. Vorder- und Hinterhose eines Beins müssen nebeneinander in die Stoffbreite passen, wenn der Stoff im Bruch liegt. Bei einer schmalen Hose bis etwa Größe 40 gelingt das auf 140 cm meist, und Sie kommen mit einer Hosenlänge plus 20 bis 30 cm aus.
Bei weiten Hosen, Marlenehosen oder größeren Größen liegen die Teile hintereinander statt nebeneinander, dann sind es zwei Hosenlängen plus Bund und Taschenbeutel. Bei Bundfaltenhosen und Hosen mit angeschnittenem Bund kommt noch etwas dazu. Prüfen Sie im Zweifel die breiteste Stelle der Hinterhose auf Höhe des Schritts: Ist die Summe beider Teile breiter als die halbe Stoffbreite, rechnen Sie mit doppelter Länge.
Stoffbedarf Kleid und Zuschläge für Muster, Flor und Einlaufen
Beim Stoffbedarf für ein Kleid sind Rockweite und Ärmel die größten Variablen. Ein Etuikleid braucht deutlich weniger als ein Kleid mit Tellerrock, und Puffärmel oder Glockenärmel können einen halben Meter zusätzlich bedeuten. Dazu kommen Zuschläge, die unabhängig vom Modell gelten.
- Florstoffe wie Samt, Cord, Nicki oder Wollstoffe mit Strich: alle Teile in einer Richtung zuschneiden, plus 10 bis 20 Prozent.
- Karos und Streifen: pro Länge ein Rapport zusätzlich, damit Sie Muster an Seitennähten und Mitte abstimmen können.
- Große Motive, die mittig sitzen sollen: großzügig planen, oft zwei Rapporte zusätzlich.
- Einlaufen: Baumwolle und Leinen 3 bis 5 Prozent, Viskose bis zu 5 Prozent, Wolle vorher dekatieren lassen.
- Einseitig bedruckte Stoffe mit Richtungsmotiv: wie Florstoff behandeln.
Profi-Tipp
Waschen oder dämpfen Sie Stoff vor dem Zuschnitt und messen Sie ihn danach noch einmal. Erst dieser Wert zählt. Ein Meter Leinen kann nach der ersten Wäsche gut 4 cm kürzer und etwas schmaler sein.
Stoff sparen beim Zuschnitt
Wer clever auslegt, kommt oft mit 20 bis 30 cm weniger aus als die Faustformel verspricht. Der wichtigste Trick: Nicht immer im Bruch zuschneiden. Liegt der Stoff offen in voller Breite, lassen sich große und kleine Teile ineinander verschachteln, etwa Ärmel gegenläufig nebeneinander oder Belege in die Rundung des Armlochs.
Auch kleine Änderungen am Schnitt sparen Stoff, ohne dass man es dem fertigen Teil ansieht: ein Untertritt aus Futter, Taschenbeutel aus Baumwollfutter statt aus Oberstoff, ein geteilter Beleg statt eines großen Stücks oder eine hintere Mittelnaht statt eines Rückenteils im Bruch. Bei Florstoffen und Richtungsmotiven sind diese Tricks eingeschränkt, weil alle Teile in dieselbe Richtung zeigen müssen.
- Große Teile zuerst legen, dann kleine Teile in die Lücken.
- Gegengleiche Teile im offenen Stoff gegenläufig anordnen, sofern kein Flor oder Motiv dagegen spricht.
- Belege, Taschenbeutel und Untertritte aus Futter oder Resten schneiden.
- Schräge Streifen für Einfassungen aus den Restecken schneiden statt aus einem eigenen Stück.
Futter, Einlage und Kleinteile nicht vergessen
Für Jacken, Mäntel und Westen brauchen Sie neben dem Oberstoff Futter, Einlage und häufig Schulterpolster. Futterstoff liegt meist bei 140 bis 150 cm Breite; der Verbrauch entspricht etwa dem Oberstoff abzüglich Belege und Kragen. Bügeleinlage kaufen Sie nach den Teilen, die verstärkt werden: Vorderteile, Belege, Kragen, Taschenpatten und Säume, bei einem Blazer etwa 0,8 bis 1,2 m.
Bei Maßschnitten von Minerva Patterns müssen Sie den Verbrauch nicht schätzen: Das PDF-Begleitheft, das mit jeder Bestellung kommt, enthält den Stoffverbrauch für das Modell auf Ihre Maße beziehungsweise Größe berechnet. Kaufen Sie trotzdem etwa 10 bis 20 cm mehr, wenn Sie Muster abstimmen oder den Stoff vorwaschen.
Häufige Fragen
Wie viel Stoff brauche ich für ein Kleid?
Für ein knielanges Kleid mit kurzen Ärmeln bei 140 bis 150 cm Breite etwa 1,8 bis 2,3 m, für ein Maxikleid 2,8 bis 3,5 m. Weite Röcke und auffällige Ärmel brauchen deutlich mehr.
Wie viel Stoff brauche ich für eine Damenhose?
Bei schmalen Hosen bis etwa Größe 40 eine Hosenlänge plus 20 bis 30 cm. Bei weiten Hosen oder größeren Größen eher zwei Hosenlängen.
Welche Rolle spielt die Stoffbreite?
Eine große. Auf 140 bis 150 cm passen viele Teile nebeneinander, bei 110 cm Breite brauchen Sie oft 30 bis 50 Prozent mehr Länge.
Wie viel Stoff brauche ich zusätzlich für Karos?
Rechnen Sie pro Schnittteillänge einen Rapport zusätzlich, damit Sie Karos an Seitennähten, Mitte und Ärmeln aufeinander abstimmen können.
Steht der Stoffverbrauch im Schnittmuster?
Bei vielen Anbietern ja. Bei Minerva enthält das Begleitheft zu jeder Bestellung den Stoffverbrauch für das Modell, berechnet auf Ihre Maße oder die gewählte Größe.
Wie viel Stoff brauche ich bei 110 cm Breite statt 140 cm?
Als grobe Regel etwa ein Drittel mehr Länge, bei weiten Röcken und Mänteln oft noch mehr, weil große Teile nicht mehr nebeneinander passen. Legen Sie im Zweifel die Schnittteile probeweise auf einer 110 cm breiten Fläche aus.
Minerva Patterns
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