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Schnittmuster übertragen: vom Bogen aufs Papier, vom Papier auf den Stoff

2. November 20266 Min. Lesezeit

Schnittmuster übertragen ist der unscheinbarste, aber folgenreichste Schritt vor dem Zuschnitt. Ein Millimeter Abweichung an jeder Kante summiert sich bei einem Kleid mit zehn Längsnähten schnell auf zwei Zentimeter Umfang. Wer Linien sauber kopiert, Nahtzugaben gleichmäßig ergänzt und die Teile im richtigen Fadenlauf auf den Stoff legt, spart sich später viel Ärger beim Zusammennähen.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie einen Schnitt vom Schnittmusterbogen oder Ausdruck auf Papier kopieren, welche Werkzeuge sich eignen, wie Sie das Schnittmuster auf den Stoff übertragen und dabei Fadenlauf und Stoffbruch beachten, und wie Sie den Schnitt einer Hose abnehmen, die perfekt sitzt. Am Beispiel Hose sehen Sie, worauf es bei Schrittkurve und Bundlinie besonders ankommt.

Werkzeuge zum Übertragen

Die Wahl des Werkzeugs hängt vom Schritt ab: Kopieren vom Bogen aufs Papier, oder Übertragen vom Papier auf den Stoff. Für das Kopieren eignen sich transparente Materialien, durch die man die Linien sieht, für den Stoff Markierwerkzeuge, die sich wieder entfernen lassen.

  • Seidenpapier, Schnittmusterpapier mit Punkteraster oder Folie zum Abpausen.
  • Kopierrad mit glatter oder gezahnter Rolle, dazu Kopierpapier in heller und dunkler Farbe.
  • Schneiderkreide als Platte, Kreiderad oder Kreidestift.
  • Wasserlösliche oder luftlösliche Markierstifte für helle Stoffe.
  • Geodreieck, langes Lineal, Kurvenlineal und ein Nahtzugabenlineal oder Doppelrad.
  • Schnittgewichte statt Stecknadeln für empfindliche Stoffe und schnelles Arbeiten.

Profi-Tipp

Testen Sie Kreide und Markierstifte immer an einem Reststück. Manche Stifte verschwinden auf Wolle nicht vollständig oder werden durch Bügelhitze dauerhaft fixiert.

Vom Schnittbogen oder Ausdruck auf Papier

Schnittmusterbögen aus Zeitschriften enthalten viele Modelle und Größen übereinander. Markieren Sie zuerst Ihre Größe mit einem Leuchtstift, an Ecken und Kurven besonders sorgfältig. Legen Sie dann Seidenpapier oder Folie darüber, beschweren Sie beides und zeichnen Sie die Linien mit einem Bleistift oder feinen Filzstift nach.

Übertragen Sie dabei unbedingt alle Markierungen: Fadenlauf, Stoffbruch, Passzeichen, Abnäher, Taschenpositionen, Knopflöcher, Teilenummer, Größe und Modellbezeichnung. Ein Schnittteil ohne Fadenlauf ist beim Zuschnitt fast wertlos.

Bei ausgedruckten PDF-Schnitten entfällt das Abpausen oft, weil Sie direkt den Ausdruck verwenden. Wer den Schnitt mehrfach nutzen oder in mehreren Größen behalten möchte, kopiert ihn trotzdem auf festeres Papier. Ein Schnitt nach Maß, der nur für Sie erstellt wurde, enthält ohnehin nur eine Größe; die Linien lassen sich direkt ausschneiden.

Nahtzugabe ergänzen

Viele Schnitte, besonders aus Zeitschriften, enthalten keine Nahtzugaben. Sie werden beim Kopieren oder direkt auf dem Stoff ergänzt. Übliche Breiten sind 1 bis 1,5 cm an Längsnähten, 0,7 bis 1 cm an Halsausschnitt und Armloch, 3 bis 4 cm am Saum und 2 bis 2,5 cm an der hinteren Mitte von Hosen, damit sich die Weite später ändern lässt.

Zum Ergänzen auf dem Papier eignet sich ein Nahtzugabenlineal oder ein Doppelrad, bei dem zwei Kopierräder in festem Abstand laufen. Auf dem Stoff können Sie mit Kreide und Lineal parallel zur Schnittkante zeichnen. An Ecken müssen Nahtzugaben gespiegelt werden, also so verlängert, dass sie nach dem Umklappen genau aufeinanderpassen; das gilt besonders an Saum und Ärmelsaum.

Profi-Tipp

Bestellen Sie einen Schnitt mit enthaltener Nahtzugabe, wenn Sie direkt ausschneiden möchten. Ohne Nahtzugabe ist praktisch, wenn Sie Nahtlinien auf den Stoff zeichnen und mit unterschiedlichen Zugaben arbeiten möchten, etwa bei Wollstoffen für spätere Änderungen.

Schnittmuster auf Stoff übertragen: Fadenlauf und Auflegen

Wenn Sie das Schnittmuster auf den Stoff übertragen, beginnt alles mit dem Fadenlauf. Der Fadenlaufpfeil auf jedem Schnittteil muss exakt parallel zur Webkante liegen. Messen Sie dazu an beiden Enden des Pfeils den Abstand zur Webkante; beide Werte müssen gleich sein. Schon eine Abweichung von wenigen Grad lässt Hosenbeine sich drehen und Röcke schief fallen.

Legen Sie den Stoff in der Regel rechts auf rechts doppelt, Webkante auf Webkante, damit Sie spiegelbildliche Teile in einem Zug schneiden. Teile mit Stoffbruch kommen an die Bruchkante. Bei Stoffen mit Strich, wie Samt, Cord oder Wollflausch, und bei Mustern mit Richtung müssen alle Teile in dieselbe Richtung zeigen, was den Stoffverbrauch erhöht.

  1. 1.Stoff vorbehandeln: waschen oder dämpfen, wie das spätere Kleidungsstück gepflegt wird.
  2. 2.Stoff glatt auflegen, Webkanten bündig, Fadenlauf geraderichten.
  3. 3.Große Teile zuerst auflegen, kleine Teile in die Zwischenräume.
  4. 4.Fadenlauf an beiden Pfeilenden messen, Teile mit Gewichten oder Nadeln fixieren.
  5. 5.Konturen mit Kreide nachzeichnen oder direkt mit Schere oder Rollschneider schneiden.
  6. 6.Passzeichen als kleine Knipse von 3 mm, Abnäherspitzen und Taschenpositionen mit Kopierrad oder Heftstichen markieren.

Schnittmuster einer Hose auf Stoff übertragen

Wer ein Schnittmuster für eine Hose auf Stoff übertragen will, braucht besondere Sorgfalt beim Fadenlauf. Die Bügelfalte, also die Mittellinie des Hosenbeins, ist gleichzeitig der Fadenlauf. Liegt sie schief, dreht sich das Bein beim Tragen nach innen oder außen, und die Seitennaht wandert sichtbar nach vorn.

Legen Sie Vorder- und Hinterhose so, dass die Fadenlauflinien genau parallel zur Webkante liegen. Übertragen Sie Schrittkurve, Abnäher und Tascheneingriffe exakt, denn hier entscheidet sich der Sitz. Bei Hosen ist es sinnvoll, an der hinteren Mitte und an den Seitennähten großzügigere Nahtzugaben stehen zu lassen, um nach der Anprobe noch Spielraum zu haben.

Markieren Sie außerdem Kniehöhe und Schrittpunkt auf beiden Teilen. Beim Zusammennähen der Innenbeinnaht lassen sich Vorder- und Hinterhose so exakt aufeinanderlegen, auch wenn die Hinterhose an der Innennaht leicht gedehnt werden muss.

Schnittmuster von einer Hose abnehmen

Eine Lieblingshose, die perfekt sitzt, möchte man gern nachnähen. Ein Schnittmuster von einer Hose abzunehmen ist möglich, ohne sie aufzutrennen, erfordert aber Geduld. Legen Sie die Hose auf eine Pinnwand oder Korkplatte und arbeiten Sie Teil für Teil: Vorderhose, Hinterhose, Bund, Taschen.

Legen Sie ein Hosenbein flach, sodass die Innennaht oben liegt und das Vorderteil glatt ist. Stecken Sie entlang der Nähte Nadeln senkrecht durch die Naht in das darunterliegende Papier und markieren Sie so die Kontur. Den Fadenlauf finden Sie, indem Sie einem einzelnen Gewebefaden in der Mitte des Beins folgen. Abnäher und Falten messen Sie separat und tragen sie anschließend ein.

Die so gewonnenen Teile sind ohne Nahtzugabe und meist etwas ungenau an Kurven, besonders an der Schrittkurve. Nähen Sie deshalb zuerst ein Probemodell. Bedenken Sie auch, dass eine getragene Hose ausgeleiert sein kann und der abgenommene Schnitt dann etwas weiter ausfällt als das Original im Neuzustand.

Wenn der Schnitt digital vorliegt

Digitale Schnitte erleichtern das Übertragen erheblich. Ein PDF für A4 oder US Letter wird ausgedruckt und zusammengeklebt, ein A0-PDF im Copyshop gedruckt, ein One-Page-PDF als einzelner, 80 cm breiter Bogen auf einem Rollenplotter ausgegeben. Mit der Beamer-Datei projizieren Sie den Schnitt direkt auf den Stoff und können ohne Papier zuschneiden.

Bei Minerva Patterns wählen Sie das Format beim Bestellen, ebenso, ob Nahtzugaben enthalten sein sollen. Da die Dateien genau so erzeugt werden, wie Sie sie bestellen, lohnt es sich, vorher zu überlegen, wie Sie am liebsten arbeiten: Wer häufig Hosen näht und Nahtlinien gern auf dem Stoff kontrolliert, wählt oft einen Schnitt ohne Zugabe; wer schnell zuschneiden will, nimmt ihn mit.

Häufige Fragen

Wie übertrage ich ein Schnittmuster am besten auf den Stoff?

Legen Sie das Schnittteil im Fadenlauf auf, fixieren Sie es mit Gewichten oder Nadeln und zeichnen Sie die Kontur mit Schneiderkreide nach oder schneiden Sie direkt. Innenmarkierungen wie Abnäher übertragen Sie mit Kopierrad und Kopierpapier oder mit Schneiderheftstichen.

Welches Papier eignet sich zum Abpausen von Schnittmustern?

Seidenpapier ist günstig und durchscheinend, aber empfindlich. Schnittmusterpapier mit Punkteraster ist stabiler und erleichtert das Zeichnen gerader Linien. Für Schnitte, die Sie oft nutzen, lohnt sich festes Papier oder dünner Karton.

Wie viel Nahtzugabe gebe ich beim Übertragen hinzu?

Üblich sind 1 bis 1,5 cm an Längsnähten, 0,7 bis 1 cm an Ausschnitt und Armloch und 3 bis 4 cm am Saum. An der hinteren Mitte von Hosen und Röcken lassen viele 2 cm stehen, um später ändern zu können.

Kann man ein Schnittmuster von einer Hose abnehmen, ohne sie aufzutrennen?

Ja, indem Sie die Hose flach auf eine Pinnwand legen und die Nähte mit Nadeln auf Papier durchstechen. Das ergibt eine gute Grundlage, ist aber an Kurven ungenau; ein Probemodell ist daher Pflicht.

Was passiert, wenn der Fadenlauf nicht stimmt?

Das Kleidungsstück verzieht sich beim Tragen und nach dem Waschen. Hosenbeine drehen sich, Röcke hängen an einer Seite tiefer, und Nähte wandern. Deshalb den Fadenlaufpfeil immer an beiden Enden zur Webkante messen.

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