Wer ein Schnittmuster Hemd Herren sucht, merkt schnell, wie unterschiedlich die Angebote sind. Manche Schnitte zeigen ein vereinfachtes Hemd mit angeschnittener Knopfleiste und einteiligem Kragen, andere bilden das klassische Oberhemd mit allen Details ab, die man von einem guten Konfektionshemd kennt: zweilagige Passe, Kragen mit Steg, Manschetten mit Schlitz und Kappnähte, die innen keine offene Kante zeigen. Für ein Hemd, das man wirklich ins Büro oder unter das Sakko trägt, lohnt sich die zweite Variante.
In diesem Beitrag gehen wir die Bauteile eines Herrenhemds der Reihe nach durch, erklären, worauf es bei Schnitt und Verarbeitung ankommt, welche Stoffe sich eignen und wie Sie die Größe über die Kragenweite und den Brustumfang bestimmen. Dazu kommen Hinweise zum kurzärmeligen Hemd und zu typischen Passformproblemen.
Der Aufbau eines klassischen Herrenoberhemds
Ein Schnittmuster Herren Oberhemd besteht in der Regel aus Vorderteilen mit Knopfleiste, einem Rückenteil, einer Passe (oben und unten bzw. innen und außen), Ärmeln, Manschetten, Ärmelschlitzbesätzen sowie Kragen und Kragensteg. Dazu kommt oft eine aufgesetzte Brusttasche. Je nach Modell hat das Rückenteil eine Kellerfalte in der Mitte, zwei Seitenfalten an der Passennaht oder Rückenabnäher für eine taillierte Form.
Die Passe ist mehr als ein Gestaltungselement. Sie übernimmt die Schulterform, sodass Vorder- und Rückenteil gerade fallen können, und sie wird doppelt zugeschnitten. Die innere Passe deckt alle Nahtzugaben an Schulter und Rücken ab. Bei hochwertigen Hemden wird die Passe zudem in der hinteren Mitte geteilt und schräg zum Fadenlauf zugeschnitten, damit sie sich besser an Schulterblätter anpasst.
Für die Silhouette unterscheidet man grob drei Weiten: Comfort Fit mit gerader Seitennaht und etwa 20 bis 24 cm Mehrweite an der Brust, Regular oder Modern Fit mit leichter Taillierung und rund 14 bis 18 cm, Slim Fit mit deutlicher Taillierung, oft mit Rückenabnähern, und etwa 10 bis 12 cm Mehrweite. Ein Hemd, das unter dem Sakko getragen wird, sollte nicht zu weit sein, damit sich im Rücken keine Stoffwülste bilden.
Kragen mit Steg: das Herzstück des Hemds
Der Kragen mit Steg ist zweiteilig: Der Steg umschließt den Hals und trägt Knopf und Knopfloch, der eigentliche Kragen (Oberkragen) liegt darüber und klappt um. Die Stegkurve steigt zur vorderen Mitte leicht an, die untere Kante des Oberkragens ist entsprechend geschwungen. Je stärker diese Gegenkurve ausfällt, desto enger legt sich der Kragen an den Hals und desto weniger Raum bleibt für die Krawatte.
Beide Kragenteile bekommen eine Einlage, bei Businesshemden eine feste Kragen-Einlage zum Aufbügeln, bei Freizeithemden eine weichere. Üblich ist, nur den Oberkragen und den äußeren Steg zu verstärken. Die Spitzen werden auf etwa 2 mm zurückgeschnitten und nach dem Wenden mit einem stumpfen Werkzeug ausgeformt, anschließend wird der Kragen 1 bis 6 mm breit abgesteppt.
- 1.Oberkragen und Unterkragen rechts auf rechts nähen, Ecken zurückschneiden, wenden, absteppen.
- 2.Kragen zwischen die beiden Stegteile legen und die obere Stegkante nähen.
- 3.Inneren Steg rechts auf rechts an den Halsausschnitt nähen, Nahtzugabe einschneiden.
- 4.Äußeren Steg einschlagen, auf die Naht legen und knappkantig rundum feststeppen.
Profi-Tipp
Markieren Sie die vordere Mitte und die Schulterpunkte auf Steg und Halsausschnitt mit kleinen Knipsen. Schon 3 mm Versatz sieht man später sofort an einer schiefen Knopfleiste.
Manschetten, Ärmelschlitz und Knopfleiste
Am Ärmel sitzt ein Schlitz mit Besatz: entweder der einfache Streifenbesatz, wie bei vielen Freizeithemden, oder der klassische Schlitzbesatz mit Spitze, der in einer schmalen Unterleiste und einer breiteren, oben dreieckig zulaufenden Oberleiste endet. Neben dem Schlitz werden meist zwei Falten in die Ärmelkante gelegt, bevor die Manschette angesetzt wird.
Manschetten gibt es abgerundet, abgeschrägt oder gerade, einknöpfig oder mit zwei Knöpfen zum Verstellen. Die Umschlagmanschette für Manschettenknöpfe wird doppelt so lang zugeschnitten und hat vier Knopflöcher. Die Manschettenweite liegt bei etwa Handgelenk plus 5 bis 7 cm, damit die Uhr darunter Platz hat.
Die Knopfleiste kann angeschnitten und umgeschlagen, separat angesetzt oder als verdeckte Leiste gearbeitet sein. Die Standardbreite einer angesetzten Leiste liegt bei 3 bis 3,5 cm, der Knopfabstand bei 8 bis 10 cm. Beim Herrenhemd liegen die Knopflöcher auf der linken Vorderseite (vom Träger aus gesehen), bei der Damenbluse rechts.
Kappnähte und saubere Innenverarbeitung
Typisch für das Herrenhemd ist die Kappnaht an Seiten- und Ärmelnaht. Dabei wird eine Nahtzugabe zurückgeschnitten, die andere darum gelegt und flach festgesteppt, sodass die Naht von beiden Seiten sauber aussieht und auch häufiges Waschen verträgt. Die Industrie arbeitet mit einem Kappnahtapparat in einem Durchgang, zu Hause nähen Sie in zwei Schritten.
Für Kappnähte sind unterschiedlich breite Nahtzugaben üblich, zum Beispiel 1,5 cm am einen und 0,7 cm am anderen Teil. Prüfen Sie im Schnitt, ob die Zugaben dafür angelegt sind, oder bestellen Sie den Schnitt ohne Nahtzugabe und fügen Sie sie selbst passend zur gewählten Technik hinzu. Alternativ werden die Nähte mit der Overlock versäubert, das ist schneller, wirkt aber weniger hochwertig.
Die Ärmel werden beim Hemd meist flach eingesetzt: zuerst der Ärmel in das offene Armloch, dann Ärmel- und Seitennaht in einem Zug geschlossen. Die Ärmelkugel ist dafür flacher als bei einer Jacke und hat nur sehr wenig Mehrweite.
Schnittmuster Hemd kurzarm und Freizeithemden
Ein Schnittmuster Hemd kurzarm unterscheidet sich vor allem am Ärmel: Er endet mit einem breiten Saum oder einem Aufschlag, Schlitz und Manschette entfallen. Für den Sommer sind Hemden mit Reverskragen (Resortkragen, Camp Collar) beliebt, bei denen der Kragen ohne Steg direkt am Halsausschnitt sitzt und das Vorderteil zu einem kleinen Revers umschlägt. Diese Hemden fallen meist gerade und werden über der Hose getragen, deshalb ist der Saum gerade und kürzer.
Beim kurzen Ärmel lohnt ein Blick auf die Ärmelweite. Ist sie zu knapp, spannt der Ärmel am Oberarm, ist sie zu großzügig, steht er ab. Rund 6 bis 8 cm Mehrweite über dem Oberarmumfang sind ein guter Richtwert. Der Ärmel sollte etwa auf halber Höhe des Oberarms enden.
Stoffe für Herrenhemden
Klassische Hemdenstoffe sind Popeline, Oxford, Twill, Fil-à-Fil und Chambray, im Sommer Leinen und Batist, im Winter Flanell. Für den Einstieg eignet sich mittelschwere Baumwoll-Popeline oder Oxford: Beide lassen sich gut bügeln und verzeihen kleine Ungenauigkeiten. Seidige, sehr feine Stoffe wie zweifädiger Zwirn sind wunderbar zu tragen, aber anspruchsvoll beim Kappen und Absteppen.
Für ein langärmeliges Herrenhemd brauchen Sie bei 140 bis 150 cm Stoffbreite in der Regel 1,7 bis 2,2 m, bei Karos und Streifen 20 bis 30 cm mehr für das Musterangleichen. Waschen Sie Baumwolle und Leinen vor dem Zuschnitt, denn Einlaufen von 3 bis 5 Prozent ist bei Hemdenstoffen keine Seltenheit.
- Nähgarn: Polyester oder Baumwolle in Stärke 100 bis 120 für feine Steppnähte.
- Nadel: Microtex 70 oder 80 für Popeline, 80 für Oxford.
- Stichlänge: 2,0 bis 2,5 mm, beim Absteppen 2,5 mm.
- Knöpfe: Perlmutt oder Kunststoff, 10 bis 11 mm an der Leiste, 8 mm am Kragensteg (Button-down).
Die richtige Größe: Kragenweite und Brustumfang
Hemdgrößen werden in Deutschland nach Kragenweite in Zentimetern angegeben, typischerweise von 37 bis 46. Gemessen wird der Halsumfang am Halsansatz, das Maßband locker, mit etwa einem Finger Spiel. Die Kragenweite ist dann der gemessene Halsumfang plus rund 1 bis 1,5 cm. Daneben zählen Brustumfang, Ärmellänge (von der hinteren Halsmitte über die Schulter bis zum Handgelenk) und die Rückenlänge.
Kragenweite und Brustumfang passen bei vielen Männern nicht zur Standardtabelle: ein kräftiger Hals bei schmaler Brust, oder umgekehrt. Hier hilft ein Maßschnitt am meisten. Bei Minerva geben Sie die Körpermaße bei der Bestellung ein und erhalten den Schnitt auf Ihre Proportionen gradiert, inklusive Kragen- und Ärmellänge. Messen Sie dafür sorgfältig, denn der Schnitt wird genau nach diesen Angaben erzeugt.
Profi-Tipp
Messen Sie zum Abgleich ein gut sitzendes Hemd aus dem Schrank: Brustweite flach liegend von Achsel zu Achsel mal zwei, Rückenlänge, Ärmellänge mit Manschette. Diese Werte zeigen Ihnen, welche Mehrweite Sie gewohnt sind.
Häufige Fragen
Ist ein Herrenhemd für Anfänger geeignet?
Ein Hemd mit Kragen mit Steg, Schlitzbesatz und Kappnähten verlangt Genauigkeit und etwas Übung. Mit Erfahrung in Blusen oder einfachen Oberteilen ist es gut machbar. Für das erste Hemd empfiehlt sich ein ruhiger, gut bügelbarer Baumwollstoff ohne Karos.
Wie viel Stoff brauche ich für ein Herrenhemd?
Für ein langärmeliges Hemd bei 140 bis 150 cm Stoffbreite rechnen Sie mit etwa 1,7 bis 2,2 m, für ein kurzärmeliges mit 1,4 bis 1,7 m. Bei Karos oder großen Streifen kommen 20 bis 30 cm dazu.
Welche Einlage nimmt man für den Hemdkragen?
Für Businesshemden eine feste Hemdkragen-Einlage zum Aufbügeln, für Freizeithemden eine mittelfeste oder weiche Gewebeeinlage. Meist werden nur Oberkragen, äußerer Steg und Manschetten verstärkt, bei der Knopfleiste reicht eine leichte Einlage.
Wie bestimme ich die Kragenweite?
Messen Sie den Halsumfang am Halsansatz mit einem Finger Spiel unter dem Maßband und addieren Sie 1 bis 1,5 cm. Ein Halsumfang von 39 cm entspricht also etwa Kragenweite 40 bis 41.
Brauche ich für Kappnähte einen speziellen Nähfuß?
Nein. Mit einem normalen Nähfuß und sorgfältigem Bügeln gelingen Kappnähte gut. Ein Kappnahtfuß in passender Breite erleichtert die Arbeit bei vielen Hemden, ist aber kein Muss.
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